vom 26. April 2003


Skat als Pflichtfach

Zugegeben: Es ist nicht gerade eine Schlüsselqualifikation, Skat zu können. Dennoch gehört das Spiel zur norddeutschen Kultur wie das Platt. Beide haben eines gemeinsam: Sie sind vom Aussterben bedroht. Während es immer mehr Initiativen gibt, die sich der niederdeutschen Sprache annehmen und den Nachwuchs dafür begeistern, gerät das einst auch unter Schülern so beliebte Kartenspiel immer mehr in Vergessenheit.
Die Kleinen begeistern sich eben mehr für die elektronischen Abenteuer in der digitalen Welt von Lara Croft als für Kreuz-Bube und Herz-Dame. Das will Hein-Dirk Stünitz, Leiter der Bargteheider Emil-Nolde-Schule, nicht hinnehmen. Kurzerhand erklärte er Skat quasi zum Pflichtfach. Seit drei Monaten büffeln 90 Hauptschüler im Matheunterricht die Regeln des Kartenspiels und wie richtig gereizt wird.
Das mag zunächst albern klingen, ist aber lobenswert. Denn Spiel macht die Jugendlichen fit im Kopfrechnen und zeigt ihnen, dass man nicht nur vor dem Computer Spaß haben kann. Ganz nebenbei ist der Unterricht ein kleiner Beitrag zur Rettung eines norddeutschen Kulturguts.


Eine "reizende" Schule: Skat spielen als Pflichtfach

Bargteheide: Rektor Hein-Dirk Stünitz will ein Kulturgut retten und verdonnerte 90 Hauptschüler zum Karten spielen

Bargteheide    
Stefan Huhndorf

„18, 20, 22, Pik ist Trumpf." Begeistert reizten Lisa (12), Nadya (15) und Bahattin (15) ihre Skatblätter im Klassenzimmer aus. Und das nicht etwa heimlich unter dem Tisch oder in der Pause, sondern im Unterricht. Der Enthusiasmus der drei wurde allerdings nicht belohnt, sie kamen bei der Skatmeisterschaft der Emil-Nolde-Schule nur auf hintere Plätze. Der erfolgreichste "Kartenhai" war Neuntklässler Willy Beller. Der 15jährige war mit 498 Punkten mit weitem Abstand der beste Spieler. Rang zwei erreichte Melanie Kunde mit 359 Punkten vor Jessica Spliesgardt (330).

Das Turnier sollte den Kindern allerdings nicht nur einen unterrichtsfreien Tag bescheren, sondern hatte auch einen ernsten Hintergrund. Die Hauptschüler sollten lernen, dass es mehr gibt als Videospiele und nebenbei auch noch das Kopfrechnen trainieren. Wichtig war Rektor Hein-Dirk Stünitz aber auch, dass Skat ein Stück deutscher Kultur ist, das er den Schülern näher bringen wollte.

"Skat ist wesentlich mehr als ein Kneipenspiel. Wir haben bei Gesprächen mit den Schülern festgestellt, dass viele es nicht kennen“, sagte Lehrer Klaas Bröcker, der das Turnier organisiert hatte. Seit drei Monaten paukten die Schüler im Mathe-Unterricht Skat-Regeln und lernten das Reizen.

„Wir haben allerdings das mitunter etwas komplizierte Regelwerk vereinfacht und eine Light-Version entwickelt", berichtete Bröcker. So mussten die Jugendlichen sich nicht mit Ramschen, Null, Ouvert, Handspielen oder Schneider abquälen. Nach den "ENS-Regularien" gibt es nur Karo, Herz, Pik und Kreuz sowie Grand.