vom 28. Juni 2006

Junge Ägypter lernen Bargteheide lieben

Von Bettina Albrod

BARGTEHEIDE - „Deutschland hat so schönes Wetter - es regnet!" Was die Bargteheider Schüler der Emil-Nolde-Schule mit etwas anderen Augen sehen, ist für acht junge Ägypter, die bei ihnen zu Gast sind, das Größte. Zwölf Tage lang besuchen sieben Jungen und ein Mädchen der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo ihre Altersgenossen in der 4 a, ehe sie nächste Woche zurück nach Hause fliegen. Davor hat es drei Jahre lang regelmäßige Brieffreundschaften mit den deutschen Schülern gegeben. Zustande gekommen ist der Besuch durch eine private Initiative von Lehrer Peter Nielsen.

„Ich habe selber acht Jahre lang an der Schule in Kairo unterrichtet", so der Pädagoge, der zuvor auch schon in Nigeria tätig war. „Das Auswärtige Amt unterstützt weltweit deutsche Schulen im Ausland, indem es Lehrer dorthin schickt." Er selber war von Ägypten begeistert, und heute besucht seine Tochter die Schule in Kairo. „Als ich damals meine Klasse in Bargteheide übernommen habe, habe ich von Anfang an den Kontakt zu den ägyptischen Schülern im gleichen Alter hergestellt." Bei jeder Reise brachte Nielsen Briefe seiner Schüler nach Kairo und kehrte mit Post für die Emil-Nolde-Schüler zurück. „Die Deutsche Evangelische Oberschule ist von der ersten Klasse an ein Gymnasium", so Nielsen weiter, „die Schüler sprechen in der vierten Klasse schon fließend Deutsch." Das bewundern die deutschen Schüler besonders. „Die können uns verstehen, aber wir verstehen nichts, wenn die Gäste arabisch sprechen", erklärt Luisa. „Und sie lesen von rechts nach links." Genauso gut lesen sie anders herum, denn das Schulsystem läuft für sie zweisprachig. „Die Schule in Kairo hat 1200 Schüler, die ein strenges Aufnahmesystem bestehen müssen, um zugelassen zu werden", weiß Nielsen.

„Ägypten ist arm", stellt Karim fest, „hier in Deutschland gibt es viel mehr Spiele und Sachen zu kaufen." Gut gefällt es ihnen in Bargteheide, „Ägypten ist um diese Zeit viel zu heiß. Hier ist auch die Luft viel besser, und alles sieht grün aus", ergänzt Ibrahim. Saubere Straßen, keine Abgase, keine langen Fahrten zur Schule, aber auch „keine Pyramiden und kein Nil", stellen die Schüler fest. „Aber dafür gibt es sehr viele schöne Tiere."