Pädagogen aus ganz Schleswig-Holstein trafen sich zur Konferenz in Bargteheide

Schulen sind reif für die "Insel"

Die Emil-Nolde-Schule war die erste, die 1987 eine "pädagogische Insel" als Rückzugsmöglichkeit für Schüler einrichtete. Inzwischen hat das erfolgreiche Projekt überall im Land Nachahmer gefunden. Auf Einladung der Schule waren jetzt Lehrer aus ganz Schleswig-Holstein zur ersten "Insel-Konferenz" nach Bargteheide gekommen. Im Mittelpunkt der Fortbildung stand der gegenseitige Erfahrungsaustausch.

     BARGTEHEIDE
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  BARBARA SCHULT

 "Reif für die Insel?" Wenn sich Schüler der Emil-Nolde-Schule in Bargteheide diese Frage stellen, denken sie nicht über eine weite Reise nach, sondern über eine kurze Erholung vom alltäglichen Unterrichtsstress. Die Insel ist in der Grund- und Hauptschule ein abgetrennter Bereich der Pausenhalle, in dem - betreut von Sozialpädagogin Ute Sauerwein-Weber oder einem Lehrer - geredet, gespielt und Tee getrunken werden kann. Seit vier Jahren existiert das zusätzliche pädagogische Angebot in der Emil-Nolde-Schule, die damit gute Erfahrungen gemacht hat. "Die Kinder kommen gern. Auf die Insel geschickt zu werden, soll keine Strafe sein erklärte Ute Sauerwein-Weber. Die Insel entlastet alle: die Lehrer, die Mitschüler und das Kind, das gerade nicht in der  Lage ist, dem Unterricht zu folgen", ergänzt Lehrerin Uta Schwarz-Aeschbacher.

Pädagogische Inseln sind inzwischen in etlichen Schulen im Land eingerichtet worden. Jede hat dafür ihr eigenes Konzept entwickelt. Jetzt trafen sich Pädagogen aus dem gesamten Bundesland zum Erfahrungsaustausch in Bargteheide. Hein-Dirk Stünitz, der Schulleiter der Emil-Nolde-Schule hatte die Idee und holte die erste "Insel-Konferenz" in seine Schule. Die Resonanz war beträchtlich. 27 Schulen präsentierten ihr Konzepte, Vertreter etlicher weiterer kamen, um sich zu informieren. Bis auf die Gymnasien waren alle Schulformen vertreten.

Drei verschiedene Funktionen kann eine pädagogische Insel haben, fasste Schulpsychologe Reimer Knaack, der als Moderator fungierte, Ergebnisse zusammen. Die Insel könne als Ort der Freude, als Urlaub vom Alltag dienen. Sie könne Zuflucht und Rettung zum Beispiel bei Stress sein, aber auch als eine Art Straflager dienen, in dem Regeln gelernt werden müssen. Wer auf einer Insel arbeite müsse Klarheit über seine pädagogischen Ziele gewinnen und bereit sein, sie bei Bedarf zu verändern.

"Es war ein Markt der Möglichkeiten, bei dem der Erfahrungsaustausch in großer Offenheit geführt wurde", zog Ute Sauerwein-Weber Bilanz. "Alle waren bereit, sich von anderen bereichern zu lassen." Mit dem Ende der Konferenz soll der Austausch nicht abgeschlossen sein. Die Lehrer haben vereinbart, dass sie ihre Konzepte auf dem, Landesbildungs-Server präsentieren wollen.