vom 27. Januar 2010

Früh übt sich, wer die Welt verstehen will

Mini-Phänomenta erklärt auf spielerische Weise Naturwissenschaften

Wieso ist eine Murmel, die den kürzeren Weg hinzulegen hat, nicht als erste im Ziel? Wie kann ein Würfel rollen? Wie kann man in die Unendlichkeit gucken? Alles spannende Fragen aus den Naturwissenschaften, auf die es seit Kurzem in der Emil-Nolde-Schule nicht nur theoretische, sondern auch praktische Antworten gibt. Für zwei Wochen war die Mini-Phänomenta zu Gast in der Grund- und Hauptschule in Bargteheide. Zu diesem Zweck wurden 26 Experimentierstationen im Foyer der Schule aufgebaut, die von der Originalausstellung Phänomenta der Universität Flensburg angeliefert kamen.

Das Besondere an der Mini-Phänomenta erklärt Lehrerin Sylvia Hübinger wie folgt: „Die Übermittlung des Wissensstoffs kommt nicht von der Lehrkraft oder via Hinweisschildern an den einzelnen Stationen. Schüler dürfen selber solange experimentieren, bis sie auf die Lösung kommen oder auch im Unterricht darüber Fragen stellen. Das ist nicht von oben herab und das motiviert die Rinder viel mehr", sagt sie. Die Grundschullehrerin hatte vor Beginn der Ausstellung an einem Seminar zur Vorbereitung teilgenommen und sich intensiv in das Thema eingearbeitet.
Die Mini-Phänomenta entstand vor einigen Jahren aus der Misere der naturwissenschaftlichen Berufe in Deutschland heraus, die unter einem Nachwuchsmangel litten und noch immer leiden. „Kindern soll gezeigt werden, dass Fächer wie Physik auch durchaus Spaß machen können und das gelingt außerordentlich gut. Das haben wir jetzt beobachten können. Die positiven Auswirkungen sind direkt im Unterricht zu spüren, es kommen viele Fragen, das Interesse wird geweckt", sagt Lehrerin Andrea Aust, die die Mini-Phänomenta an der Emil-Nolde-Schule gemeinsam mit weiteren Kollegen organisierte. Beide Lehrerinnen verweisen auf die Unterrichtssituation in den Grundschulen, in welchen der Heimat- und Sachkundeunterricht so unterschiedliche Bereiche wie Physik, Chemie, Biologie, Geschichte, Erdkunde, Wirtschaft, Politik und Sozialwissenschaften beinhaltet.
 „Und das alles bei insgesamt fünf Stunden Unterricht in der Woche. Das reicht natürlich bei weitem nicht", so Andrea Aust weiter. Die Lust, mit allen Sinnen physikalische und technische Experimente anzustellen und Zusammenhänge zu erkennen, hat jedenfalls alle Kinder der Schule erfasst. Insgesamt 52 Stationen bietet die Uni Flensburg den teilnehmenden Schulen an, die Emil-Nolde-Schule hat sich für 26 von ihnen entschieden, darunter sind solch faszinierende naturwissenschaftliche Themen wie Farbfilter, Vasenlinse, Blick in die Unendlichkeit, Rasierwellen, Phasenpendel, Tubaklang, Kugelwettlauf oder Würfelroller ausgestellt. Da ist auch so mancher Überraschungseffekt darunter, beispielsweise die „Kugelrallye": Auf drei unterschiedlich geformten Kugelbahnen werden drei Murmeln gleichzeitig gestartet. Die mittlere Bahn ist hierbei am kürzesten und die nach oben und nach unten gebogenen Bahnen sind gleich lang. Zum Erstaunen aller Schüler erreicht als erste jene Murmel das Ziel, die den längeren Weg hat!
Und damit es auch nicht nur ein kurzes Vergnügen für die Schüler gewesen ist, wurde jede Schulklasse damit beauftragt, eine der Experimentierstationen nachzubauen und somit eine weitere Verwendung zu garantieren. Die Originalbauanleitungen kamen direkt aus Flensburg, an die Werkbank durften dabei hauptsächlich sich freiwillig meldende Eltern der Schüler. „Es hat alles wunderbar geklappt. Wir freuen uns über das tolle Engagement der Eltern. Nun werden wir einmal im Jahr für zwei Wochen die Mini-Phänomenta mit unseren eigenen Stationen durchführen können", zieht Andrea Aust eine positive Bilanz für ihre Schule.